Die Ilse
Ein Glas Flusswasser, ein Kieselstein aus dem Flussbett der Ilse, oder eine kleine Nachbildung der Steinbrücke am Steinhof.

Die Ilse fließt am Steinhof entlang, dem heutigen Gemeindebüro, und weiter Richtung Lemgo. Schon 1581 überquerte eine Holzbrücke den Fluss, 1733 wurde sie durch eine Steinbrücke ersetzt. Der Steinhof selbst war damals noch kein Kirchenbesitz – die Kirchengemeinde erwarb ihn laut der 250-Jahre-Festschrift (1976) erst 1857. Der Fluss verbindet Lieme geografisch mit genau jenem Lemgo, von dessen Kirchspiel St. Johann sich die Liemer 1726 kirchlich lösten – und mit dem man bis heute wieder eng kooperiert. Heute liegt an der Ilse der Ilsepark, wo Sommerkirche, Erntedankgottesdienste und Familienfeste stattfinden.
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Kennst du die Ilse? Das ist unser kleiner Fluss, der am alten Steinhof vorbeifließt, dort, wo heute das Büro unserer Kirche ist – gehört hat der Hof der Kirche aber erst seit 1857, vorher war er über 200 Jahre in privater Hand. Früher, vor über 400 Jahren, gab es dort nur eine wackelige Holzbrücke, später baute man eine feste aus Stein. Der Fluss fließt weiter bis nach Lemgo – zu genau der Stadt, von der sich unser Dorf 1726 kirchlich getrennt hat, weil wir eine eigene Kirche wollten. Trotzdem verbindet uns der Fluss bis heute mit unseren Nachbarn. Im Ilsepark feiern wir manchmal draußen Gottesdienst, mitten im Grünen. Findest du Gottesdienst draußen am Fluss spannender als drinnen in der Kirche?
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Es fühlt sich fast widersprüchlich an: Unsere Vorfahren haben 1726 alles dafür getan, sich von St. Johann in Lemgo kirchlich unabhängig zu machen – und trotzdem fließt die Ilse weiterhin von uns aus direkt in Richtung dieser Stadt, verbindet uns geografisch mit genau dem Ort, von dem wir uns lösen wollten. Vielleicht zeigt das etwas Wichtiges: Selbstständigkeit heißt nicht Abschottung. Auch als eigene Gemeinde haben wir nie ganz für uns allein existiert. Heute arbeiten wir wieder eng mit Nachbargemeinden zusammen, feiern gemeinsam Sommerkirche im Ilsepark. Vielleicht ist Zusammenarbeit über Grenzen hinweg gar kein Rückschritt, sondern das, was Kirche schon immer ausgemacht hat.
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Wenn ich am Ilsepark stehe und die Vorbereitungen für unseren nächsten Sommerkirchen-Gottesdienst treffe, denke ich manchmal an die Steinbrücke von 1733, die den Steinhof mit dem Rest des Dorfes verband. Diese Ilse war schon immer eine Verbindungslinie – zwischen dem Dorf und der Stadt, zwischen den Menschen und der Landschaft, in der sie leben. Unsere Vorfahren wollten 1726 unabhängig werden, aber sie haben sich nie ganz abgeschnitten: Kollekten aus ganz Lippe halfen bei der Finanzierung, Beziehungen blieben bestehen. Heute feiern wir Sommerkirche gemeinsam mit den Nachbargemeinden Retzen und Bergkirchen, oft direkt am Fluss. Selbstständigkeit und Verbindung schließen sich offenbar nicht aus – im Gegenteil, beides zusammen macht unsere Gemeinde erst lebendig.
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Als ich jung war, war die Trennung zwischen unserer Gemeinde und St. Johann in Lemgo noch deutlich zu spüren – eine eigene Identität, für die unsere Vorfahren 1726 hart gekämpft hatten. Die Ilse, die durch unser Dorf fließt und weiter Richtung Lemgo, war für mich immer auch ein Sinnbild dieser Geschichte: verbunden und doch eigenständig. Heute erlebe ich, wie unsere Gemeinde wieder enger mit den Nachbargemeinden zusammenarbeitet – bei der Sommerkirche, in gemeinsamen Projekten. Manche fragen sich besorgt, ob Lieme eines Tages wieder zu St. Johann gehören könnte, wie es unsere Vorfahren vor 300 Jahren gerade verhindert haben. Ich sehe das gelassener: Vielleicht muss Selbstständigkeit heute anders aussehen als 1726 – nicht als Abgrenzung, sondern als eigenständiger Beitrag innerhalb einer größeren, verbundenen Nachbarschaft.
Quelle: „Engelbert Kämpfer" (Steinhof/Ilse-Brücke); 250-Jahre-Festschrift (1976, Kauf des Steinhofs 1857); Gemeindechronik ab 1971 (Ilsepark, Sommerkirche); „Der Reichstaler".