Kirche in Lieme

Gottesdienste und Gemeindeleben

Kirche in Lieme

Gottesdienste und Gemeindeleben

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Die alte Kapelle

Foto/Zeichnung der Liemer Kapelle, wie sie um 1726 aussah – klein, mit Reetdach, baufällig.

Schon lange vor 1726 stand in Lieme eine kleine Kapelle, vermutlich seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, dem heiligen Georg geweiht. Sie gehörte zur Kirche St. Johann vor Lemgo und wurde nur unregelmäßig von deren Pfarrern bedient. Während des Dreißigjährigen Krieges diente sie den Liemern als Versteck für ihre Vorräte – 1636 plünderten Soldaten sie trotzdem vollständig aus, ohne das Gebäude zu zerstören. Um 1726 war sie baufällig und zu klein für ein wachsendes Dorf, das eine eigene, verlässliche geistliche Versorgung wollte.

⏱ 20 SekundenUnsere Kirche war früher ganz klein und alt – ein kleines Häuschen mit Strohdach. Die Menschen in Lieme haben gesagt: „Wir wollen ein eigenes, schönes Kirchlein!" Und dann haben sie zusammen geholfen, es größer zu machen.

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Stell dir vor, deine Kirche wäre nur so groß wie ein kleines Häuschen, mit einem Dach aus Stroh, so wie bei manchen alten Bauernhöfen. Genau so klein war die Liemer Kapelle vor 300 Jahren. Manchmal kamen sogar Soldaten und haben alles durchsucht und mitgenommen, was die Leute dort versteckt hatten – zum Glück haben sie das Häuschen selbst nicht kaputt gemacht. Die Menschen in Lieme fanden: Unsere Kapelle ist zu klein und zu alt. Wir brauchen etwas Eigenes! Und weil sie das wirklich wollten, haben sie zusammen gebaut und gespart, bis daraus eine richtige Kirche wurde. Was würdest du dir wünschen, wenn du an eurem Ort etwas ganz Neues bauen könntest?

⏱ 20 SekundenIch bin 16 und laufe jeden Sonntag eine Stunde nach Lemgo zur Kirche, weil unsere Kapelle hier zu klein und kaum benutzbar ist. Ehrlich gesagt: Ich habe keine Lust mehr, immer woanders hinzugehen. Wir wollen was Eigenes.

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Um 1726 herum, hätte ich dir erzählt: Wir aus Lieme müssen für alles nach St. Johann bei Lemgo – Taufe, Trauung, Gottesdienst. Unsere eigene Kapelle hier im Dorf ist so verfallen, dass sie kaum noch genutzt wird, und die Pfarrer aus Lemgo kommen nur ab und zu vorbei. Die Sonntagsschule, in der wir früher wenigstens ein bisschen lesen und singen gelernt haben, wurde sogar ganz nach Lemgo verlegt. Das hat viele im Dorf wütend gemacht – auch mich. Warum sollen wir für alles woanders hinlaufen, obwohl wir hier ein Dorf mit eigenem Leben sind? Manche Ältere im Dorf haben angefangen, sich beim Grafen dafür einzusetzen, dass wir einen eigenen Pfarrer bekommen. Das war nicht selbstverständlich – dafür musste man wirklich etwas wollen und einfordern. Wie ist das eigentlich heute bei euch: Wofür würdet ihr euch einsetzen, wenn ihr wollt, dass Kirche bei euch vor Ort lebendig bleibt?

⏱ 20 SekundenUnsere Kapelle ist so baufällig, dass ich mir Sorgen um meine Kinder mache, wenn sie dort zur Schule gehen sollen. Die geistliche Versorgung durch St. Johann ist – so sehen wir es im Dorf – nur sehr dürftig.

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Ich bin Bauer hier in Lieme, und wenn ich ehrlich bin: Diese alte Kapelle mit ihrem Strohdach macht mir Kummer. Sie ist zu klein für unser Dorf, das inzwischen deutlich gewachsen ist, und die Pfarrer aus St. Johann bei Lemgo kommen nur unregelmäßig zu uns. Für Taufen, Trauungen, für den wöchentlichen Gottesdienst müssen wir weite Wege in Kauf nehmen – gerade im Winter, mit Kindern, eine echte Zumutung. Zusammen mit Herrn Kämpfer vom Steinhof und einigen anderen aus dem Dorf haben wir uns entschlossen: Wir wollen das nicht länger hinnehmen. Wir wollen einen eigenen Pfarrer, eine eigene Kirche, eine eigene Schule. Das wird uns etwas kosten – vielleicht mehr, als wir uns eigentlich leisten können. Aber was ist uns unser Glaube, unsere Kinder, unsere Gemeinschaft wert? Diese Frage stellt sich, glaube ich, jeder Generation neu.

⏱ 20 SekundenIch habe diese Kapelle mein ganzes Leben gekannt – erst als Kind, dann als altersschwaches Gebäude, das uns nicht mehr genügte. Was mich freut: Am Ende hat das Dorf nicht resigniert, sondern selbst gehandelt.

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Als ich jung war, war diese kleine Kapelle mit ihrem Reetdach für uns selbstverständlich – man kannte es nicht anders. Erst mit den Jahren wurde mir klar, wie sehr sie uns eigentlich fehlte: zu klein, zu weit entfernt von einer wirklichen pastoralen Betreuung, ohne eigene Schule für unsere Enkel. Ich habe miterlebt, wie aus leiser Unzufriedenheit ein gemeinsamer Wille wurde: Wir wollen selbst Verantwortung übernehmen für unseren Glauben, statt nur zu verwalten, was uns gegeben wird. Das hat Jahre gedauert, einen abgelehnten Antrag beim Grafen und schließlich, nach dessen Tod, einen zweiten, erfolgreichen Versuch. 300 Jahre später frage ich mich: Ist es heute nicht ganz ähnlich? Kirche war für meine Generation noch etwas Selbstverständliches. Für Ihre Generation, liebe Jüngeren, ist sie das nicht mehr – und vielleicht ist das gar nicht nur ein Verlust, sondern auch eine Einladung, es wie die Liemer vor 300 Jahren zu machen: selbst wollen, selbst gestalten.

Quelle: Gemeindebrief Nr. 2 (November 1971) „Die Kapelle zu Lieme"; „Der Reichstaler" (300 Jahre Kirchengemeinde).