Kirche in Lieme

Gottesdienste und Gemeindeleben

Kirche in Lieme

Gottesdienste und Gemeindeleben

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Der Talar

Ein alter Pfarrer-Talar (oder eine Nachbildung/ein Kragen).

KI-generiertes Platzhalterbild – bitte durch ein echtes Foto ersetzen

Am 23. September 1726 erteilte Graf Simon Henrich Adolph zur Lippe-Detmold in einer persönlichen Audienz die Genehmigung zur Gründung der eigenständigen Kirchengemeinde Lieme – nach einem ersten, 1698 gescheiterten Versuch von Engelbert Kaempfer und den Kirchendechen Huxoll, Nieweg und Führing beim Grafen Rudolph zur Lippe-Brake. Erster Pfarrer wurde Adam Konrad Köller aus Haustenbeck; seine Antrittspredigt hielt er am 15. Dezember 1726. Doch der Talar allein machte noch keine gesicherte Existenz: Schon 1727 klagte Köller in einem Schreiben an das Konsistorium, es fehle ihm an Brot, Trank, Haus, Hof und Futter für sein Vieh.

⏱ 20 SekundenUnser erster eigener Pfarrer hieß Adam Konrad Köller. Er trug einen langen schwarzen Talar – aber am Anfang hatte er kaum genug zu essen, weil unser Dorf so arm war!

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Stell dir vor, du bekommst einen wichtigen neuen Job, aber niemand hat dir gesagt, dass du am Anfang kaum Geld dafür bekommst. So ging es Pfarrer Köller, als er 1726 nach Lieme kam. Er trug den Talar, das lange schwarze Gewand, das zeigte: Ich bin jetzt euer Pfarrer. Aber er musste dem Konsistorium – das war eine Art Amt in Detmold – schreiben, dass ihm sogar Brot und Futter für seine Tiere fehlten. Erst nach vielen Jahren, als eine kinderlose Witwe der Pfarre ihren ganzen Hof schenkte, wurde es besser. Was würdest du machen, wenn du für etwas, das dir wichtig ist, erst mal wenig zurückbekommst?

⏱ 20 SekundenIch bin der neue Pfarrer von Lieme, gerade mal seit einem Jahr im Amt – und ich habe kaum genug zu essen. Der Talar sieht würdevoll aus. Mein Leben gerade nicht so sehr.

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Man stellt sich das Amt eines Pfarrers vielleicht ehrwürdig und gesichert vor. Die Wahrheit sieht 1727 anders aus: Ich schreibe an das Konsistorium in Detmold, weil mir buchstäblich das Nötigste fehlt – Brot, Getränk, ein ordentliches Haus, Futter für mein Vieh. Die Gemeinde, die mich gerufen hat, ist selbst arm und kann mich kaum unterhalten. Und doch: Ich bin hier, weil die Liemer diese Selbstständigkeit wirklich wollten, weil Männer wie Kämpfer, Huxoll, Nieweg und Führing jahrelang dafür gekämpft haben. Dieses Wollen alleine ernährt einen aber nicht. Erst 1743, sechzehn Jahre später, wird eine Schenkung die Pfarre wirklich absichern. Was, wenn man sich für etwas einsetzt, das erst der nächsten Generation richtig zugutekommt?

⏱ 20 SekundenWir haben lange für einen eigenen Pfarrer gekämpft – und jetzt, wo wir ihn haben, müssen wir ihn auch unterhalten. Das war uns beim Kämpfen fürs Wollen nicht ganz so klar.

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Als wir 1726 endlich die Genehmigung für unsere eigene Pfarrstelle bekamen, war die Freude groß. Aber schnell zeigte sich: Selbstständigkeit bedeutet auch Verantwortung, die man nicht einfach wieder abgeben kann. Wir mussten den Unterhalt unseres Pfarrers Köller selbst sichern, ihm Ackerland verschaffen, das erst gekauft werden musste. Als er uns schrieb, es fehle ihm an allem, war das kein Vorwurf an uns – es war die nüchterne Wahrheit einer jungen, armen Gemeinde. Wir haben getan, was wir konnten: kleine Naturalabgaben von einzelnen Höfen, ein Garten, eine Weide. Erst eine glückliche Erbschaft Jahre später hat wirklich geholfen. Ich habe daraus gelernt: Wer Selbstständigkeit will, muss auch bereit sein, für ihre Folgen langfristig einzustehen – nicht nur für den Moment der Gründung.

⏱ 20 SekundenIch habe als Kirchendechen selbst beim Grafen für unsere eigene Pfarrstelle vorgesprochen – zweimal, weil das erste Mal 1698 abgelehnt wurde. Erst nach vielen Jahren, 1726, kam der Erfolg.

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Schon 1698 sind wir – Kämpfer und wir Kirchendechen Huxoll, Nieweg und Führing – zum Grafen Rudolph nach Brake gereist und haben um eine eigene Pfarrstelle gebeten. Der Superintendent von St. Johann hat das energisch bekämpft und sogar unsere Bestrafung als „Aufrührer" gefordert. Der Graf lehnte ab. Erst nachdem diese Grafenlinie ausgestorben war, haben wir es erneut versucht – diesmal mit Erfolg, am 23. September 1726. Kämpfer selbst hat das Ergebnis nicht mehr erlebt, er starb schon 1716. Wenn ich heute jungen Menschen von diesem langen Weg erzähle, will ich ihnen sagen: Manchmal dauert es eine Generation, bis sich etwas ändert, wofür man sich einsetzt. Das ist kein Grund, nicht anzufangen – es ist ein Grund, dranzubleiben, auch wenn man das Ergebnis vielleicht selbst nicht mehr sieht.

Quelle: Gemeindebrief Nr. 1 (September 1971) „Aus der Geschichte unserer Kirchengemeinde"; „Der Reichstaler"; 250-Jahre-Festschrift (1976).